Beginnen wir einmal kurz mit den Grundlagen zu automatischen Empfehlungen...
Was sind automatische Empfehlungen in Google Ads?
Automatische Empfehlungen (engl. „Auto Apply Recommendations" oder AARs) sind Vorschläge, die von Google basierend auf euren aktuellen Kampagnendaten und Best Practices erstellt werden, um die Leistung des Ad Accounts zu verbessern. Diese Empfehlungen können sich über verschiedenste Bereiche erstrecken.
Dazu zählen:
- Gebotsstrategien → Anpassungen der Gebotsstrategien
- Keywords → Hinzufügen neuer Keywords oder Entfernen alter Keywords
- Anzeigen und Erweiterungen → Vorschläge zur Erstellung von Anzeigen oder Anzeigenerweiterungen
Diese Empfehlungen und deren Einstellungen sind in der Google Ads Benutzeroberfläche über den Reiter „Kampagnen" (1), „Empfehlungen" (2) und dann „Automatisch anwenden" (3) zu erreichen.
Das eigentliche Ziel von Google Ads für die automatischen Einstellungen ist Zeitersparnis beim Verwalten des Google Ads Kontos.

Welche automatischen Empfehlungen gibt es?
Aktuell (Juli 2024) gibt es insgesamt 22 verschiedene Auto Apply Einstellungen. Diese unterteilen sich zwischen den Bereichen „Anzeigen besser verwalten" mit 8 Empfehlungen und „Umsatz steigern" mit 14 Empfehlungen.

Die Wortwahl „besser verwalten" und „Umsatz steigern" klingen eigentlich nach einem absoluten Must-have in jedem Google Ads Account, oder? Sehen wir uns einmal an, welche Möglichkeiten es gibt.
„Anzeigen besser verwalten" – Auto Apply Empfehlungen Teil 1
Insgesamt gibt es hier 8 mögliche Einstellungen in 3 Unterteilungen (Anzeigen und Assets, Keywords und Ausrichtung und Messung).
(1) Optimierte Anzeigenrotation verwenden
Was Google sagt:
„Bei der Auktion werden automatisch Ihre besten Anzeigen ausgeliefert."
Was es wirklich bedeutet:
Google darf bei jeder Ausstrahlung einer Anzeige, vor allem bei Suchanzeigen, selbst entscheiden, welche Kombination aus Titeln, Beschreibungen und Erweiterungen angezeigt wird. Denn Google optimiert auf die Klickrate (CTR) für Anzeigen.
(2) Responsive Suchanzeigen hinzufügen
Was Google sagt:
„Sie können mehr Conversions mit ähnlichem oder höherem ROI erzielen, wenn Sie potenziellen Kunden mehr relevante Anzeigen präsentieren."
Was es wirklich bedeutet:
Google darf selbst neue Anzeigentexte erstellen, sowohl Titel als auch Beschreibungen, und darf auch bestimmen auf welche Landingpage der Traffic gelenkt wird. Wollen wir, dass Google einfach Texte schreibt die nicht zu unserem Unternehmen passen?
(3) Responsive Suchanzeigen optimieren
Was Google sagt:
„Optimieren Sie Ihre Anzeigentitel und Textzeilen, um mehr Klicks auf Ihre responsiven Suchanzeigen zu erzielen."
Was es wirklich bedeutet:
Wie schon unter Punkt (1) angesprochen, Google optimiert auf CTR und versucht so möglichst viele Klicks zu bekommen.
(4) Redundante Keywords entfernen
Was Google sagt:
„Ihr Konto ist einfacher zu verwalten, wenn Sie redundante Keywords entfernen."
Was es wirklich bedeutet:
Google darf selbstständig doppelte und überflüssige Keywords entfernen, nach eigenem Ermessen.
(5) Keywords ohne Anzeigenauslieferung entfernen
Was Google sagt:
„Ihr Konto ist einfacher zu verwalten, wenn Sie Keywords entfernen, die keine Anzeigenauslieferung bewirken."
Was es wirklich bedeutet:
Google entfernt Keywords, die nicht zu Klicks führen, automatisch. Also auch saisonale Keywords können darunter fallen.
(6) In Konflikt stehende auszuschließende Keywords entfernen
Was Google sagt:
„Ihre Anzeigen wurden aufgrund von in Konflikt stehenden auszuschließenden Keywords nicht ausgeliefert. Entfernen Sie sie, um das Problem zu beheben."
Was es wirklich bedeutet:
Negative Keywords (also Keywords, von denen wir wollen, dass dafür kein Klick passiert), dürfen von Google ebenfalls selbstständig verwaltet werden. Je nach eigenem Ermessen.
(7) Optimierte Ausrichtung verwenden
Was Google sagt:
„Zu einem ähnlichen Cost-per-Conversion mehr Conversions erzielen."
Was es wirklich bedeutet:
Google darf selbst entscheiden, über die eigentlich gewünschte Targetierung hinaus weitere Zielgruppen anzusprechen, die eventuell irrelevant sind, aber in Googles Augen nicht. Die Formulierung klingt auch wieder etwas sehr nach einem Must-Have, oder? Wer will das nicht, mehr Conversions zum gleichen Preis.
(8) Conversion-Tracking optimieren
Was Google sagt:
„Mit der datengetriebenen Attribution den Beitrag zur Conversion für verschiedene Anzeigeninteraktionen zuordnen."
Was es wirklich bedeutet:
Welches Keyword und welche Anzeige wieviel Beitrag zu einer Conversion geleistet hat, wird nun über smarte Attribution gelöst. Dieses Attributionsmodell heißt in Fachkreisen einfach kurz „DDA" für Data Driven Attribution. Dies ist auch schon eine Grundeinstellung im Conversion Tracking.
„Umsatz steigern" – Auto Apply Empfehlungen Teil 2
(9) Neue Keywords hinzufügen
Was Google sagt:
„Präsentieren Sie Ihre Anzeigen häufiger genau den Nutzern, die nach Ihren Angeboten suchen."
Was es wirklich bedeutet:
Es dürfen automatisch neue Keywords hinzugefügt werden.
(10) Weitgehend passende Keywords hinzufügen
Was Google sagt:
„Mit weitgehend passenden Versionen Ihrer vorhandenen Keywords können Sie mehr Conversions mit ähnlichem oder höherem ROI erzielen."
Was es wirklich bedeutet:
Die Breite und Anspielung der Keywords darf eigenständig von Google Ads verwaltet werden. Oder anders ausgedrückt: „Hi, Ich bin Google, ich nehme mir dein Geld automatisch."
(11) Displaynetzwerk-Aktivierung verwenden
Was Google sagt:
„Wenn Sie nicht aufgebrauchte Budgetbeträge mit der optimierten Funktion zur Google Displaynetzwerk-Aktivierung verwenden, können Sie bei einem ähnlichen CPA mehr Conversions erzielen."
Was es wirklich bedeutet:
Wenn eine Suchkampagne das Budget nicht ganz ausgibt, darf Google das Restbudget in Display Ads stecken. Die Begrenzung einer Suchkampagne ist entweder das Suchvolumen für das gewünschte Keyword → dann macht Display kaum Sinn, denn Google ist ein Nachfrage-Kanal, kein Generierungs-Kanal ODER die Profitabilität ist an der Grenze der Gebotsstrategie.
(12–17) Mit Gebotsstrategie „X" effizienter bieten
Was Google sagt:
„Mit einer automatischen Gebotsstrategie verbessern Sie die Sichtbarkeit und Leistung Ihrer Anzeigen."
Was es wirklich bedeutet:
Google nimmt es selbst in die Hand, wann die Gebotsstrategie geupgraded werden soll. Das ganze System ist streamlined bis hin zum ROAS. Das heißt am Ende optimiert Google daraufhin, dass die eingestellte Gebotsstrategie bei ROAS (Return on Advertising Spend) landet.
(18–21) Ziel-X festlegen oder anpassen
Was Google sagt:
„Wenn Sie ein Ziel festlegen, können Sie bei einem ähnlichen CPA mehr Conversions erzielen."
Was es wirklich bedeutet:
Google darf über die Zielwerte einer Gebotsstrategie selbst entscheiden um mehr Conversions oder Umsatz zu erzielen?! Wenn also mein Ziel ist, für einen Neukunden 35€ zu bezahlen, darf Google selbst bestimmen, das Ziel anzupassen, um mehr zu generieren? Diese Einstellung will ich doch wirklich lieber selbst bestimmen können.
(22) Ladenbesuche als Standardzielvorhaben auf Kontoebene hinzufügen
Was Google sagt:
„Mit Smart Bidding und Ladenbesuchen die Gesamtzahl der Conversions und den Gesamtwert steigern."
Was es wirklich bedeutet:
Google darf automatisch das Standardziel für Kampagnen-Ausrichtung auf Konto-Level ändern. Smart Bidding Ziele umfassen von Google selbstgewählte Ziele wie Landingpage-Views, Add to Carts oder sonstiges Messbares auf der Homepage. Das sind keine fokussierten Geschäftsziele.
Wie deaktiviere ich die automatischen Empfehlungen in Google Ads?
Um eine Auto Apply zu deaktivieren kann einfach der Haken im jeweiligen Kästchen entfernt werden. Nach dem Speichern sind dann die Einstellungen entfernt.

💡 Pro-Tipp: Google ändert die automatischen Einstellungen regelmäßig! Punkt (22) hat vor ein paar Monaten noch nicht beinhaltet, auch Smart Bidding auf Kontoebene festzulegen. Seid also vorsichtig mit der Vergabe der Einstellungen und überprüft regelmäßig diese Settings. Vor allem beim Start eines Google Ads Kontos.
Welche Auto Apply Recommendations sollte ich in Google Ads verwenden?
Über die Einstellung zum Verlauf für die Auto Apply Einstellungen kann nachvollzogen werden, was konkret im Account angepasst wurde.

Dieser Änderungsverlauf gibt relativ akkurat wieder, was von Google wann geändert wurde. Ein paar der Einstellungen sind jedoch nicht umkehrbar. Daher würde ich empfehlen OHNE Empfehlungen zu starten und dann langsam hinzuzufügen, was Sinn macht oder gebraucht werden kann.



